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Verfilmung des Gladbecker Geiseldramas zulässig

Einzigartige Straftat?!



Jens O. Brelle
01.11.2016

Das OLG Köln hat am 21.07.2016 entschieden, dass der geplante ARD-Film über das Geiseldrama von Gladbeck gedreht werden darf.

 

Die Produzentin Regina Ziegler plant im Auftrag der ARD ein zweiteiliges Doku-Drama über die Geiselnahme von Gladbeck aus der Opferperspektive. Die Dreharbeiten zu den Vorfällen aus dem Jahr 1988 begannen im Sommer 2016. Einer der Täter, Hans-Jürgen Rösner wollte den Spielfilm über die Ereignisse verbieten lassen und begehrte für das Gerichtsverfahren Prozesskostenhilfe.

 

Das Landgericht Aachen hatte den PKH-Antrag zurückgewiesen. Das OLG Köln hat die Entscheidung des Landgerichts bestätigt und die sofortige Beschwerde zurückgewiesen. Prozesskostenhilfe wird nur dann gewährt, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg biete. Der Antrag auf Erlass der begehrten einstweiligen Verfügung habe aber auch nach Auffassung des OLK Köln keine Aussicht auf Erfolg. 

 

Der Antragsteller habe zunächst schon nicht glaubhaft gemacht, in welcher Weise er in dem beabsichtigten Spielfilm dargestellt werden soll, so dass eine ihm drohende konkrete Persönlichkeitsrechtsverletzung nicht festzustellen sei.

 

Unabhängig davon habe der Antragsteller keinen Anspruch darauf, einen Film über die Tat und deren Umstände zu verbieten. Dies gelte auch, wenn in dem Film der Name des Antragstellers genannt und seine Tatbegehung durch einen Schauspieler dargestellt werde. Das ergebe sich aus der erforderlichen Abwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Antragstellers und der Meinungs- und Kunstfreiheit der Filmgesellschaft.

 

Das Persönlichkeitsrecht biete zwar Schutz vor einer zeitlich unbeschränkten Befassung der Medien mit der Person eines Straftäters und mit seiner Privatsphäre. Nach einer Verurteilung ließen sich wiederholte Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht des Täters im Hinblick auf seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft (Resozialisierung) nicht ohne weiteres rechtfertigen. Allerdings führe auch die Verbüßung der Strafhaft nicht dazu, dass der Täter den uneingeschränkten Anspruch erwerbe, mit der Tat "allein gelassen zu werden".

 

Bei der Abwägung hat das OLG Köln berücksichtigt, dass es um eine spektakuläre, in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufgrund deren Umstände einzigartige Straftat geht. Diese Tat sei untrennbar mit der Person und dem Namen der Täter verbunden. Sie ist der Öffentlichkeit nicht nur wegen der Straftat selbst, sondern insbesondere wegen der Einbeziehung der Medien in Erinnerung geblieben und sei so auch in öffentlich zugänglichen Archiven unter Namensnennung dokumentiert. Außerdem hätten der Antragsteller und sein Strafverteidiger die Straftat selbst dadurch in Erinnerung gerufen, dass sie öffentlich zum weiteren Vollzug der verhängten lebenslangen Freiheitsstrafe sowie der anschließenden Sicherungsverwahrung Stellung genommen haben. Daher sei der Antrag unbegründet, auch wenn die Tat schon 28 Jahre zurückliege.

 

Ein Rechtsmittel gegen die Entscheidung ist nicht gegeben.



 
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