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e15 klagt gegen Malm-Bett von Ikea

Alles nur geklaut?



Jens O. Brelle
01.11.2016

Der Frankfurter Designer Philipp Mainzer und die Einrichtungs- und Architekturfirma e15 gehen zur Zeit gegen wegen angeblichen Designklaus gegen IKEA vor.

 

Philipp Mainzer stellte das von ihm gestaltete Bett „Mo" bereits im Januar 2002 auf einer Möbelmesse vor. Im August 2002 bot IKEA ein sehr ähnliches Modell an und bewarb es im Ikea-Katalog auf. Im Jahr 2003 kam das Ikea-Bett in Deutschland in den Handel. Die Maße des Bettes unterscheiden sich leicht, das Design ähnelt sich jedoch im Gesamteindruck. Ikea vertreibt das Bett mittlerweile unter dem Namen „Malm" weltweit. Großer Unterschiede bestehen jedoch bei den Preisen: Die Ikea-Variante beginnt bei 129 Euro, in der Breite des e15-Modells sind es 268 Euro. Das e15-Bett kostet ca. 3.000 Euro.

 

e15 hatte sich die Gestaltung als sogenanntes Geschmacksmuster schützen lassen, um für sich das Design in Gestalt, Farbe und Form zu monopolisieren. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen e15 und dem schwedischen Möbelhersteller. Verklagt wurde die IKEA Deutschland GmbH & Co. KG mit Sitz in Hofheim. 

 

Das Landgericht Düsseldorf und das Oberlandesgericht haben die Klage zurückgewiesen, da IKEA Entwürfe für eine Aufbauanleitung vorgelegt hatte, die schon entstanden seien, als e15 das Geschmacksmuster noch gar nicht habe anmelden können.Der Bundesgerichtshof nahm Mitte September 2016 das Thema auf. Bis November 2016 können die Parteien weitere Stellungnahmen einreichen. Erst im kommenden Jahr ist mit einer Entscheidung in dem Rechtsstreit zu rechnen. Während Ikea von einer Parallelschöpfung ausgeht, will e15 erreichen, dass ihr Schadensersatz in noch nicht genannter Höhe gezahlt wird und dass Ikea das Malm-Bett nicht mehr zumindest in Deutschland nicht mehr weiter vertreibt.

 

Mit Verweis auf das laufende Verfahren wollte Ikea gegenüber dem Journal Frankfurt keine Stellungnahme zum Fall abgeben. Das schwedische Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage aber zu ihren Produktionsprozessen. Grundlage aller Entwicklungen sei das sogenannte Democratic Design, das sich in „exzellenter Form und Funktion, guter Alltagsqualität, Nachhaltigkeit und einem niedrigen Preis" niederschlage. Um diese Anforderungen einzuhalten, sei die Entwicklung eines Produkts nie die Aufgabe einer einzelnen Person, sondern eines Produktionsteams. „Fremde Designs entsprechen selten unseren vorgenannten Anforderungen, sodass wir die gesamte Entwicklungsarbeit selbst oder in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten erledigen", so Ikea in der schriftlichen Stellungnahme. Weiter heißt es: „Ikea vertritt die Auffassung, dass es niemals in Ordnung ist, die Arbeit eines anderen Designers zu kopieren. Bevor wir ein Ikea Produkt am Markt einführen, tun wir alles Erdenkliche, um sicherzustellen, dass wir dabei respektvoll und anständig mit anderen Firmen und Designern umgehen."

 

Im August 2016 hat der Konzern seinen neuen Katalog veröffentlicht. Das Malm-Bett ist dort nach wie vor vertreten. Und zwei weitere Stücke: eine Sofa-Garnitur und ein Beistelltisch, die den Designs von e15 ebenfalls äußerst ähnlich sehen. "Gerade die Kombination der beiden Produkte bei Ikea lässt mit fast absoluter Sicherheit vermuten, dass Ikea ganz genau auf e15 guckt", sagt Philipp Mainzer.



 
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