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14.05.2014
SCIENCEVILLE - IGNORANCE IS BLISS
von Scienceville

“Nichts versteht man […]. Geschichten, die man versteht, sind schlecht erzählt.” (Bertolt Brecht, Baal)

 

‚Wissensgesellschaft‘, ‚lebenslanges Lernen‘, ‚Sinnhaftigkeit‘, ‚Weltverstehen‘ – spätestens seit Beginn der Neuzeit drängen Wissenschaft und Gesellschaft zum Verstehen und zur Anhäufung und Durchdringung von Wissen. Nichtwissen und Nichtverstehen gelten als Nachteil und als Schwäche, die es zu beheben gilt.

SCIENCEVILLE erlöst beide Begriffe aus ihrem Schattendasein. In den kommenden zwei Jahren werden wir alles tun, um für einen Perspektivenwechsel zu sorgen und Nichtwissen und Nichtverstehen ins verdiente  Rampenlicht zu rücken.

 

Auf dem diesjährigen SCIENCEVILLE gilt es folgende Behauptungen zu überprüfen:• Es gibt gar kein Verstehen! Hüten Sie sich vor der Verstehensfalle!• Es wird Zeit für ein Recht auf Nichtwissen und Nichtverstehen!• Zögern, Zweifeln und Zaudern müssen mit aller Macht willkommen geheißen werden!• Wissen und Verstehen behindern Kreativität!• Nichts, Nullstelle und Keine-Ahnung? Macht ja nichts, denn: IGNORANCE IS BLISS!

 

In Vorträgen, Filmen, Gesprächen, Ausstellung und mehr wirft SCIENCEVILLE 2014 einen Blick auf das, was am anderen, vermeintlich negativen Pol des Wissens und Verstehens liegt.

 

WAS IST SCIENCEVILLE?SCIENCEVILLE ist ein transdisziplinäres Veranstaltungsformat, das sich der Verbindung von Kunst und Wissenschaft verschrieben hat. Dabei geht es nicht darum, das bloße Verhältnis zwischen den beiden Disziplinen auszuloten; dass und wie nahe beide sich trotz ihrer häufig betonten Differenz stehen, wird als Tatsachevorausgesetzt. Die Schönheit ‚feuernder‘ Synapsen, die Ästhetik physikalischer Formeln, die mathematische Logik einer Bach’schen Fuge: Davon haben wir schon gehört. Vielmehr geht es SCIENCEVILLE um Wissenschaftsvermittlung mit den Methoden der Kunst. Und mehr: SCIENCEVILLE betreibt Grundlagenforschung mitkünstlerischen Mitteln, versteht sich also auch als Forum für Künstlerische Forschung und geht insofern über die reine Wissenschaftskommunikation weit hinaus.

 

WAS WILL SCIENCEVILLE?Ziel ist es, im Anschluss an innovative wissenschaftliche Fragen eine Plattform für den transdisziplinären wissenschaftlichenund künstlerischen Diskurs zu etablieren. Dabei will SCIENCEVILLE nicht nur gängige Formen der Wissenschafts- und Kunstvermittlung, sondern auch sich selbst, das eigene Vorgehen und den eigenen kreativen Prozess permanent in Frage stellen: SCIENCEVILLE versteht sich als ein Versuchslabor, in dem derFrage nachgespürt wird, wie viel die Interaktion von Kunst und Wissenschaft für das Entwickeln und Vermittelnwissenschaftlicher und künstlerischer Inhalte bringt.Und überhaupt: SCIENCEVILLE möchte die Wissenschaft aus den Fakultäten und Institutionen herausholen; SCIENCEVILLE will beides in einem sein: Lecture Hall und Music Hall – zur gleichen Zeit und allen zugänglich.

 

WIE SOLL DAS AUSSEHEN?Über die Dauer von jeweils zwei Jahren nimmt sich SCIENCEVILLE ein Thema vor, das aktuell in den Wissenschaften eine Rolle spielt. Dieses Thema wird dann aus unterschiedlichen Perspektiven und mittels verschiedener künstlerischer und medialer Präsentationsformen (Performance, Lecture, Film, Ausstellung u.v.m.) beleuchtet, hinterfragt und in den öffentlichen Diskurs eingebracht. Unter anderem bestätigt für das diesjährige SCIENCEVILLE sind KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen wiedie renommierte Kunstkritikerin und Kunsthistorikerin Prof. Dr. Sabeth Buchmann (Akademie der Bildenden Künste Wien), das Berliner Kunst- und Performancekollektiv SUPERSCHOOL zusammen mit Dr. Beke Sinjen (Collegium Philosophicum der CAU Kiel), der Autor, DJ und Radiomoderator Klaus Walter und der Hamburger Schriftsteller Benjamin Maack.

 

THEMA 2014/2015Die erste SCIENCEVILLE-Runde 2014/2015 steht – ganz im Sinne der noch eigenen Unerfahrenheit – unter dem Claim „Ignorance is bliss“ und beschäftigt sich mit Nichtwissen und Nichtverstehen. Denn die Zeiten, in denen Zustände des Nichtwissens und Nichtverstehens mit Nichtbeachtung bis Verachtung gestraft wurden, scheinen vorbei zu sein. Beide Begriffe – Nichtwissen und Nichtverstehen – stehen für einen Perspektivenwechsel,der zurzeit in den Wissenschaften zu beobachten ist. „Agnotologie“ nennt sich das im ersten Fall; „Anoetik“ oder „Negative Hermeneutik“ im zweiten. Etwas nicht zu ‚wissen‘, Zusammenhänge nicht zu ‚verstehen‘, gilt nun nicht mehr notwendigerweise als unproduktiv. Im Gegenteil: Insbesondere Prozesse der Kreativität profitieren offenbar von beiden Voraussetzungen. Nicht zuletzt auch deshalb wird ein Schwerpunkt in diesem ersten SCIENCEVILLE-Jahr auf der Beschäftigung mit der Frage liegen, inwieweit und in welcherForm Nichtwissen und Nichtverstehen sich im Kontext kreativer Entstehungsprozesse als produktiv erweisen.

 

DER SCIENCEVILLE-BEIRATSowohl in der wissenschaftlichen und künstlerischen Konzeption als auch in der Programmgestaltung steht SCIENCEVILLE ein Beirat begleitend zur Seite. Mitglieder des SCIENCEVILLE-Beirats sind: Prof. Dr. Kathrin Busch (UdK Berlin), Detlef Diederichsen (HKW Berlin), Dr. Ebba Durstewitz (wissenschaftliche Leitung SCIENCEVILLE), Andreas Heller (Studio Andreas Heller Architects & Designers, Hamburg), PD Dr. Sibylle Peters (Forschungstheater Hamburg), Christian Schüten (BFGF Design Studios, Hamburg), Mirjam Thomann (Freie Künstlerin, Berlin), Inga Wellmann (Kulturbehörde Hamburg), Prof. Dr. Dirk Westerkamp (CAU Kiel).

 

WANN UND WO?Die SCIENCEVILLE-Pilotveranstaltung unter dem Claim „Ignorance is bliss“ startet am 11. bis 13. Juli im und vor dem alten Laborgebäude (Reiherstieg Hauptdeich / Alte Schleuse) auf dem Gelände des MS DOCKVILLE in Hamburg-Wilhelmsburg.

 

Der Eintritt ist frei.

 

www.fb.com/sciencevillehamburg

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Credits: Joerg Zboralski
Credits: Joerg Zboralski
 
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