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Rammstein klagt wegen falscher Indizierung

Am Anfang war das Feuer.



Jens O. Brelle
15.04.2016

Die weltbekannte deutsche Rockband "Rammstein" verklagt die Bundesrepublik Deutschland vor dem Bonner Landgericht auf 66.000 Euro Schadenersatz. 

 

Streitgegenstand ist die Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die im Jahre 2009 das Album "Liebe ist für alle da" wegen des Songs "Ich tu Dir weh" als "verrohend" und "sittenwidrig" und damit als jugendgefährdend eingestuft und auf den entsprechenden Index gesetzt hatte, insbesondere auch wegen einer Folter-Abbildung im Booklet des Albums.

 

Das Verwaltungsgericht Köln hob die Indizierung ein halbes Jahr später wieder auf. Die Entscheidung der Bundesprüfstelle sei rechtswidrig, so die Begründung, da nicht ausreichend zwischen Kunst und Jugendschutz abgewogen worden sei. Denn die martialische, zumeist sogar übertriebene Darstellung von Gewalt sei gerade ein Stilmittel der Band, so die Kölner Richter. Es sei eine Inszenierung und wegen der Entfremdung kein wirklichkeitsnaher Gewaltexzess. Gewalt sei zwar dargestellt, aber nicht als erstrebenswert propagiert.

 

Das Verbot hatte damals einen direkten Einfluss auf die Verkaufszahlen des Albums, das gleich nach Verkaufsstart zwei Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Albumcharts lag. Nach der Entscheidung der Bundesprüfstelle, das Album auf den Index zu setzen, rutschte es auf Platz 10 ab. Nach eigener Aussage sei der Band durch die unzulässige Indizierung ein Schaden in Höhe von 66.000 Euro entstanden, über 80.000 Alben hätten vernichtet oder einlagert werden müssen.

 

Nunmehr verlangt die Band Schadensersatz wegen der aufgehobenen Entscheidung der Bundesprüfstelle. Der Prozess soll im Sommer 2016 vor dem Bonner Landgericht stattfinden. 



 
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